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THE BIG SWING

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Diese Gedenkskulptur, geplant und realisiert von einer privaten Initiative, wurde im Herbst 2025 fertiggestellt, zum achtzigsten Jahrestag des Flugzeugabsturzes auf der gegenüberliegenden Talseite im Frühjahr 1945. Der Absturzort liegt etwa sechshundert Meter südlich und ist nur sehr schwer zugänglich, deshalb wurde dieser Standort auf Grund und Boden des Consorzio Strada Forestale Arbedo für die Stele gewählt.

 

Beim Blick durch die Flugzeugsilhouette der Skulptur erspäht man die ungefähre Lage des ehemaligen Trümmerfelds, welches sich aufgrund der Aufschlagsexplosion und der Bodenbeschaffenheit über eine Fläche von mehreren hundert Quadratmetern erstreckt.

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Durch glückliche Umstände überlebten alle Besatzungsmitglieder, indem sie sich mit dem Fallschirm in Sicherheit brachten, und auch am Boden kam niemand zu Schaden.

 

Dies ist eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse, welche in Zukunft im Detail auf einer speziellen Internetseite präsentiert werden.

 

Solenzara, Korsika, Mittwoch, 7. Februar 1945, knapp drei Monate vor Kriegsende in Europa.

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Am Morgen dieses Tages startet ein mittelschwerer zweimotoriger Bomber des Typs North American B-25J-1-NC Mitchell zu seiner letzten Mission. Es handelt sich um die Seriennummer 43-4067 «The Big Swing» mit der taktischen Nummer «76», einen Veteranen Baujahr 1944 mit zu diesem Zeitpunkt ungefähr 60 absolvierten Einsätzen.

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Zugeteilt ist das Flugzeug der 448. Bomberstaffel in der 321. Bombergruppe. Letztere ist Teil des 57. Geschwaders in der 12. US Luftflotte der amerikanischen Heeresluftwaffe.

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An Bord befinden sich sechs Männer im Alter zwischen 21 und 34 Jahren. Ihr Angriffsziel am 7. Februar ist ein Eisenbahnviadukt bei Lavìs im Trient. Im Rahmen der Operation «Strangle» soll durch Angriffe auf die Versorgungslinien am Brenner der deutsche Nachschub unterbrochen und die «Gotenstellung» in Italien nachhaltig geschwächt werden.

Der Flugweg von insgesamt 4 Stunden ist sorgfältig geplant, um die grösseren Flugabwehrkonzentrationen zu umgehen. Die Formation von 18 Flugzeugen sammelt sich vorerst in der Gegend von Ajaccio und folgt dann bei gutem Flugwetter und nur leichter Flugabwehr einer Route über Genua, Modena, Mantua und Bozen, bevor sie kurz nach Mittag den Zielanflug auf den Viadukt «Ai Vodi» beginnt.

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Auf diesem Teil des Fluges ist die Formation besonders gefährdet, denn die Tatsache, dass alle Flugzeuge für einen präzisen Bombenabwurf konstant ihre Höhe, Kurs und Geschwindigkeit halten müssen, ermöglicht den Flakkanonieren am Boden, ihre Geschütze optimal abzustimmen. Dazu kommt, dass diese Einsätze speziell in den Wintermonaten regelmässig um die Mittagszeit angesetzt wurden, um den Schattenwurf am Boden zu minimieren und somit die Sicht auf das Ziel am Talboden zu verbessern. Ein Überraschungseffekt ist also nicht gewährleistet.​

Auf Kommando des Führungsflugzeugs wirft die ganze Formation ihre Bombenlast ab und macht sich auf den langen Heimweg. In diesem Moment reisst eine 88mm Flakgranate ein grosses Loch in die linke Tragfläche der «76». Der Hauptholm wird nur knapp verfehlt, aber das Querruder ist schwer beschädigt. Danach explodiert das Geschoss und dessen Splitter verletzen den Bombenschützen in der verglasten Flugzeugnase schwer am Arm. Die «76» schert aus der Formation aus, verliert an Höhe, und entschwindet langsam aus dem Sichtfeld der Staffelkameraden.

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An eine Rückkehr nach Solenzara, über die mit Flugabwehr und feindlichen Fliegerhorsten gespickte Poebene, sowie das Ligurische Meer, ist nicht zu denken. Als einzige Alternative erscheint das Erreichen der im Nordwesten liegenden Schweiz. Stetig an Höhe verlierend und die sich auftürmenden Alpen vor sich sehend, beginnt die Besatzung, alles unnötige Gewicht abzuwerfen, inklusive der flexiblen schweren Maschinengewehre, während sich der Bordmechaniker um den verletzten Bombenschützen kümmert.​

In der Gegend des Monte Brè, nordöstlich von Lugano, wird die «76» von Augenzeugen gesichtet, wie sie in niedriger Höhe in Richtung Norden fliegt. Als sich kurz darauf die Magadino-Ebene vor den Piloten ausbreitet, müssen diese nun entscheiden, ob sie das Flugzeug notlanden oder mit dem Fallschirm verlassen sollen. Aufgrund der schweren Beschädigungen und trotz berechtigter Zweifel, ob sie wirklich schon Schweizer Territorium erreicht hätten, wählen sie notgedrungen die zweite Option und geben den Befehl zum Absprung. Ausserdem geht der Treibstoffvorrat rasch zur Neige.

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Als erste verlassen der verletzte Bombenschütze und der Bordmechaniker das Flugzeug, gefolgt von Pilot und Copilot. Der Bordfunker und der Heckschütze haben den Absprungbefehl nicht erhalten und bemerken nur zufällig die sich öffnenden Fallschirme ihrer Kameraden. Nun klemmt auch noch die Bodenluke, welche die beiden nur mit grosser Mühe und vereinten Kräften öffnen können, um im letzten Moment das nun führerlose Flugzeug zu verlassen. Dies gelingt ihnen nur Sekunden bevor «The Big Swing» gemäss offiziellem Absturzbericht um 13:10 Uhr auf dem Arbino Felssturz zerschellt.

Alle sechs Besatzungsmitglieder landen erfolgreich mit dem Fallschirm, der Bombenschütze mit seinen Armverletzungen, und der Bordfunker mit einem verstauchten Knöchel.

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Zahlreiche Zeugen am Boden verfolgen diese Ereignisse, so dass fünf der sechs Männer schnell gefunden und zur ersten Befragung nach Bellinzona gebracht werden. Der Bombenschütze und der Bordfunker (welcher erst am nächsten Tage gefunden wird da er auf dem schwierig zu begehenden Arbino-Felssturz- Gelände gelandet ist), werden vorerst hospitalisiert. Schlussendlich werden alle interniert und gelangen nach wenigen Wochen via Korsika und Neapel wieder in die Vereinigten Staaten.

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Der Krieg ist für diese Besatzung damit zu Ende.

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The Big Swing

07.02.1945

 

North American B-25J-1-NC Mitchell

Ser.No. 43-4067, “76”

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448th BS, 321st BG, 57th BW, 12th AF

USAAF

 

Frana d’Arbino, Arbedo (CH)

46°12’04”N/09°04’44”E 

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Stele, Tornant di Nanitt, Arbedo

46°12’23”N/09°04’50”E

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Solenzara air base, Korsika (FR)

41°55’28”N/09°24’10”E

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Ai Vodi viaduct, Lavis (IT)

46°07’35”N/11°04’59”E

 

Absturzbericht Bundesarchiv Bern

E 27 / 14753

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MACR (Missing Air Crew Report)

#12135

 

Pilot: Woodrow W. Sheffield, 2nd Lt

0-715400

29.01.1920 - 1964

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Copilot: William A. Sanders, 2nd Lt

0-2061523

02.11.1923 - ?

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Bombardier: Louis E. Reves, S/Sgt

34731457

23.09.1910 - 1994

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Engineer: Maxwell J. Lasskow, Sgt

32821325

24.11.1924 - 13.11.2015

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Radio: Evo J. Petruzzi, Cpl

33701988

1917 - ?

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Gunner: Joseph C. Brentar, Sgt

35058055

15.12.1923 - 24.06.2013

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CH/BMU 20250917

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